Gestern war es endlich so weit - der Tag war gekommen, dass ich endlich per Motorrad die neuseelaendischen Strassen unsicher machen darf!! Allerdings war mir schon bei Ankunft im Hotel in Auckland etwas mulmig, stand doch noch nirgends ein motorradaehnliches Geschoss irgendwo herum. Auch wusste an der Rezeption niemand so genau, was ich meinte und hatte scheint's noch nie von GoTourNZ - meinem Reiseveranstalter - gehoert... War mir am Abend noch reichlich wurscht, denn die Muedigkeit ueberwog.
Morgens jedoch wuchs die Verunsicherung, so dass ich mich erstmal mit dem Hotel-Shuttle-Service an den Flughafen zurueckbringen liess... Nein, nicht um unverrichteter Dinge wieder ins kuehle Deutschland zurueckzufliegen;-) Nein, ich habe mir eine prepaid-Handy-Karte gekauft, so dass ich hier vor Ort leichter bzw guenstiger mit den B&B-Leutchen telefonieren kann...
Zurueck im Hotel noch ein gemuetliches Fruehstueck und schwupps - kurz nach neun, als ich gerade den letzten Post an Euch losschickte, kam Brian... Und mit ihm folgendes:
Schick, gell! Wartet nur, bis ihr die Nahaufnahmen zu sehen bekommt... Ette da darf mich ab jetzt viele Hunderte Kilometer kutschieren:-)
Die drei Koffer - uebrigens "nur" 36-Liter-Koffer, somit haetten mir die an sich sicherlich praktischen Innenkoffer nichts genuetzt, die mir mein lieber Freund mitgeben wollte - haben allesamt ein Fassungsvermoegen von je 10 Kilogramm... Muss ja so sein, denn sonst haette ich den Inhalt meines Reisekoffers ja kaum unterbringen koennen ;-)
Die Packerei war insofern recht easy, das Schleppen nicht ganz so leicht, aber die Fuesse sind ja nicht gehfaul... Und es ist sogar noch Platz fuer weitere Souvenirs ;-)
Kurz nach elf war das Motorrad dann fertig gepackt, ohne dass ich irgendetwas mit der kerstin-typischen Fesselkunst darauf lose unterbringen musste;-)
Jetzt gings fast los, zuvor jedoch die Huerde - Bitte, liebes Hotel, organisiert mir einen Transport meines Reisekoffers von Auckland nach Christchurch!" Laut Ian sollte das ein Kinderspiel werden... "they will help you organising..."
Kann ja sein, aber nicht wenn die Dame an der Rezeption unwillig und mehr als genervt auf meinen Wunsch reagiert haette... Sie hatte auch keinen Schimmer, ob es irgendwo auf der Welt von Auckland eine Spedition gibt, die sowas machen wuerde und knallte stattdessen die YellowPages vor mich auf den Tresen, auf dass ich eine Eingebung haette. Also - zuckersuess wie ich auch sein kann (nicht lachen;-) habe ich mich entschuldigt fuer die Extra-Arbeit, die ich ihr machte und fragte sie, ob ich denn das Telefon benutzen duerfte, um es schnell selbst zu organisieren. Daraufhin war sie ploetzlich sehr zuvorkommend und zusammen organisierten wir DHL Worldwide Express, die h o f f e n t l i c h meinen Koffer am Montag im Hotel abholen und nach Christchurch bringen. "That will cost you a lot" und mit der mir eigenen Angsthaltung dachte ich schon, "ok, verschrotte ich diesen doofen Koffer eben und kauf mir einen neuen". Aber letztendlich kostet mich das ganze ein Drittel des Kofferpreises und hat mir eine Adjustierung des zu erwartenden Preisniveaus in Neuseeland eingebracht *freu*
Nachdem ich diese Sorge los war, konnte ich um kurz vor zwoelf endlich dieses Abreisefoto machen:
Was ich bis dahin nicht wusste - die Kilometerzahl unten zeigte nicht die gesamten Kilometer, sondern nur die des zweiten Tageskilometerzaehlers... Die korrekte Zahl liefere ich noch nach ;-) P.s.: Brian, wenn du das liest - "vollgetankt" (linke Skala!) ist etwas anderes..........
Aufgeregt fuhr ich vom Parkplatz herunter und war froh, dass ich am fruehen Morgen die Strecke raus Richtung Autobahn nochmal mit dem Shuttle-Bus gefahren war. So war es kein Problem, die Autobahn 20 zu finden, die laut Karte "ganz einfach" nach Norden fuehren sollte.
Ihr ahnt es schon - soooooo einfach machen es sich die Neuseelaender nicht. Denn mittendrin hoerte sie auf, die gute A20 und einige wilde Umleitungen folgten...
Letztendlich ging alles gut und die Auffahrt auf die Harbour Bridge folgte... Grandiose Aussicht und auch der Blick auf die Bruecke, bevor ich drauffuhr... Weckte diese Bruecke doch schlagartig Erinnerungen an "Sur le pont, d'Avignon"... meine lieben Duesseldorfer werden sich vielleicht noch daran erinnern, dass ich quasi das Motorrad fast verkauft haette, weil mir die Seitenwinde, die boesen boeigen, die boesen, so zu schaffen gemacht haben... Die Form der Auckland Harbour Bridge war nicht annaehernd so niedrig wie jene in Avignon, dafuer ueber eine viel laengere Strecke viel hoeher und quasi dem offenen Meer zugewandt. *grusel*
Diesmal bin ich aber nicht stehengeblieben sondern habe mich an das Motto "lieber was schneller" gehalten. Dafuer wurde ich mit Flaute belohnt, die Panik zuvor war also gar nicht angebracht gewesen, Angsthaeschen, ich ;-)
Weiter ging es ohne Verfahren und auf der richtigen (linken) Strassenseite nach Norden...
Ach, von einer lustigen Verkehrsregel muss ich Euch noch berichten, sie ist wirklich komisch... Also stellt euch vor, ihr fahrt auch im Linksverkehr. An einer normalen Kreuzung wollt ihr links abbiegen. Zugleich gibt es motorisierte Strassenteilnehmer, die von der entgegenkommenden Richtung kommen und ihrerseits rechts abbiegen wollen.
Wer hat Vorfahrt?
Uebertragen auf festlaendlisch-europaeische Verhaeltnisse lautet die Antwort - WIR haben Vorfahrt.
Am anderen der Ende der Welt - also bei mir hier - haben die anderen Vorfahrt... Komisch, oder? Na, wenn ich mir das mal merken kann...
Soweit zu dieser lustigen Regel... Die Strasse nach Norden hielt kaum solcherlei tueckische Situationen fuer mich bereit, so dass ich mich ganz aufs Linksfahren konzentrieren konnte. Nur wenige Momente gab es, an denen ich nachlaessig wurde... Zum Beispiel als ich - linksfahrend - eine tolle Stelle - rechts - zum Fotografieren sah und rueberfuhr, um dort im Kiesbett zu parken... Kommt mir doch genau in jenem Moment - seit bestimmt 20 Minunten - ein Auto entgegen... *grummel* Entschuldigendes Handheben war auch nicht mehr drin, wg. besagtem Kiesbett und dicker V-Strom. Aber ein Laecheln ging noch, und alles war gut ;-)
Achja - die Aussicht wollt ihr bestimmt auch sehen:
Und weil ich mir sowieso nicht gemerkt habe, an welcher Stelle genau die Fotos entstanden sind, habe ich gleich alle guten Fotos mal angehaengt;-) Auf jeden Fall sind sie auf der Strecke zwischen Warkworth, Mangawhai Heads, Waipu, Whangarei, Oakura und der Taupiri Bay entstanden (sorry, keine GPS-Koordinaten, aber auf der Karte leicht zu finden;-)
Motorradfahrer-maessig war die Ausbeute am ersten Tag eher mager - dafuer habe ich gelernt, wie schwierig es ist, entgegenkommende Motorradfahrer zu gruessen... Cooles Anheben von zwei Fingern vom linken Griff ist hier nicht - du musst schon den ganzen linken Arm heben, damit der/die Entgegenkommende deinen Gruss sehen kann:-)
In Russell bin ich gegen 19 Uhr ziemlich muede angekommen... 260 Kilometer haben es doch in sich, auch wenn ich einige Paeuschen zwischendurch gemacht habe. Meine Unterkunft ist ganz ok, hier ein Foto des Zimmers:
und so die Aussicht vom "Fruehstuecks"Tisch:
Da heute ein Tag ohne grosse Tour ist, werde ich mich gleich ganz entspannt nach Kerikeri aufmachen, dort soll es ein Maori Dorf und einen Regenbogen Wasserfall geben..
Liebe Gruesse fuer heute und demnaechst mehr - dann vermutlich aus Whitianga auf der Coromandel Halbinsel!!
Eure Kerstin
p.s.: Alles Liebe zum Geburtstag, lieber Bruder!!
7 Kommentare:
Hey Kerstin,
vielen Dank für Deine Glückwünsche. Gestern abend hat uns Alfred ein seeeeeehr geiles 6-Gänge-Menü gemacht; fast schon ein Naturereignis ;-)
Ich wünsche Dir, dass die Reise weiter so relativ problemlos für Dich weitergeht.... mehr Bilder! :-)
Hallo Kerstin, schön dass Du gut angekommen bist. Tolle Bilder...wenn ich hier aus dem Fenster sehe...na ja, besser nicht.
Wünsche Dir weiter viel Glück, pass gut auf Dich auf.
LG Jürgen
hallo kerstin,
es macht viel spaß deine reiseberichte zu lesen und die super photos zu sehen!
mach weiter so!
die vier von der falschen rheinseite!
tüs kers (extra küsschen, dein julien)
Den Oever 13-01-2008
Hallo Kerstin,
Hier ein kleiner Bericht aus Holland. Von deiner Mutter habe ich gehört das du eine halbe Weltreise machst. Früher habe ich immer gesagt, wen ich mal älter bin möchte ich reisen, heute ist es zu spät den meistens streikt im Alter der Körper.
Ich finde es mutig von dir das du eine so lange Reise alleine machst und das du mit einem Motorrad dich direkt ins Linksverkehr gestürzt hast. Das macht dir so schnell keiner nach.
Weiter hoffe ich das du eine glückliche Reise hast, und das dir jedes unerfreuliches erspart bleiben darf.
Freundliche Grüße von Gisbert van Teulingen, ein Neffe von deiner Mutter.
Viel Glück
Hallo Kerstin, jetzt muss ich doch mal was korrigieren. Der Gisbert aus Holland ist mein Cousin, nicht mein Neffe! Wie Du ja weist, kennen sich die meisten Männer nicht in den Verwandtschaftsverhältnissen aus
;-). Bitte um Nachsicht für meinen Cousin bzw. Deinen Großcousin. Meinen Text gehe ich synchron telefonisch mit Gisbert durch. Ist recht lustig!
Für heute alles Liebe und weiterhin gute Fahrt. Deine Mama
Hi Kerstin,
man o man, Du bist ja echt eine coole Sau.
Respekt!
Ich könnte Dir ja jetzt ein Panoramabild von unserem Balkon anhängen, aber ich denke gegen Deine Bilder...lassen wir das.
Küsschen von der richtigen Rheinseite ;-) Imke
Hallo Kerstin, endlich ist es soweit - Du sitzt auf Deinem Bike und machst ne geile Tour. Ich wünsch Dir weiterhin alles Gute, bestes Wetter, super Strassenverhältnisse, usw. usf...
Viele Liebe Grüsse auch von Tobi, der schon nach Dir fragt ;-)) The tripple T's.
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